Sewanstrasse: Holz-Beton-Hybrid mit modularer Bauweise
- Konzeption Planung 2023-2028
Aufgabenstellung:
Ein bisher mit einem Industriebetrieb bebautes Grundstück soll mit einer Wohnanlage bebaut werden. Ziel war es, nachhaltigen, gesunden Wohnraum zu bezahlbaren Mieten zu schaffen – durch ein ganzheitliches Konzept, das Design, Materialwahl, Energieträger und Wirtschaftlichkeit zusammendenkt.
Das Konzept: Verdichtung mit Weitläufigkeit:
Die geplante Bebauung gliedert sich in 6 unterschiedliche Baukörper:
- 4 Punkthäuser (mit mittig angeordnetem Erschließungskern)
- 2 Zeilenbauten (mit Laubengangerschließung)
Je zwei Punkthäuser bilden ein zusammenhängendes Ensemble:
- Nördliches Ensemble: 11 bzw. 10 Geschosse (prägt sich in die Umgebung ein, die durch 10-geschossige Bauwerke geprägt ist)
- Südliches Ensemble: 5 bzw. 6 Geschosse + Staffelgeschoss
- Verbindungselemente: 4 Geschosse + Staffelgeschoss
Sämtliche Baukörper gruppieren sich um zwei Innenhöfe, die miteinander verbunden sind.
Weitläufigkeit trotz Verdichtung:
Damit der Innenhof über Weitläufigkeit verfügt, springen die Ecken der beiden gegenüberliegenden Punkthäuser zurück – es entsteht eine plastische Form, die immer wieder unterschiedliche Blickbeziehungen generiert.
Die Fassaden sind durch vorspringende Erker strukturiert, die als Wohnraumerweiterung, Loggia oder Balkon ausgebildet werden können.
Die Loggien dienen nicht nur der Gestaltung, sondern auch der Energie:
- Im Sommer: Wärmepuffer, verhindert Eindringen von Energie
- Im Winter: Speicherung von Energie, tiefer stehende Sonne kann weit in die Wohnungen eindringen → Heizenergie wird gespart
= Verdichtung mit Großzügigkeit, Design
dient der Energie.
Gemeinschaft: Kinderspielbereiche, Gewerbeflächen, Dachgarten
Die erforderlichen Kinderspielbereiche sind im Innenhof, in den umgebenden
Außenflächen sowie auf dem Dach des südlichen Ensembles untergebracht – das Dach steht der Gemeinschaft zur
Verfügung. Im Erdgeschoss sind Gewerbeflächen, insbesondere im nördlichen Ensemble, untergebracht.
Konstruktion: Holz-Beton-Hybrid – Materialien gezielt einsetzen
Untergeschosse + Erdgeschoss: Beton (vorgefertigt)
Obere Geschosse: Holz-Beton-Hybrid
- Beton: Treppenhäuser, Brandwände Brandschutz + Speichermasse)
- Holz: Decken, Außenwände, sonstige tragende Wände
Alle Treppenhäuser werden als "sicheres Treppenhaus" erstellt → nur ein Treppenhaus notwendig, Verzicht auf Hilfsmittel der Feuerwehr → keine Flächen für die Feuerwehr auf dem Grundstück vorhalten nötig → freie Gestaltung der Freiflächen möglich.
Die Decken und Betonwände werden in Sichtbauweise erstellt – die Bauweise der tragenden Elemente bleibt ästhetisch erfahrbar.
Vorfertigung: Modulare Bauweise bis 11 Geschosse:
Sowohl Betonelemente als auch Holzelemente werden vorproduziert.
Außenwände: Mit kompletter Verkleidung und Fenster als vorgefertigte Elemente
Bäder: Als Ganzes vorproduziert
Untergeschosse: Mit vorgefertigten Elementen (nur Aushub und Gründung vor Ort)
Der gesamte Bau wird in den wesentlichen Punkten vorproduziert → sehr kurze Bauzeit → geringere Belästigung für umliegende Grundstücke und Bewohner.
= Modulare Bauweise im mehrgeschossigen Bereich bis zu maximal 10/11 Stockwerken.
Individuelle Fassade trotz Vorfertigung:
Durch den Einsatz von BIM ist es möglich, eine individuelle Fassade zu ent werfen und diese vorproduzieren zu lassen.
Die Produktion ist in den wesentlichen Elementen komplett digitalisiert → individuelles Design möglich. Im Gegensatz zu den Großbausiedlungen des letzten Jahrhunderts (nur wenige standardisierte Elemente → monotones Erscheinungsbild) ist durch digitale Technik freie Gestaltung möglich, ohne auf die Vorteile der Vorproduktion zu verzichten.
Nachhaltigkeit: Cradle to Cradle
Holz:
- Nachwachsender Baustoff
- Gesundes Wohnklima
- Produktion nahezu vollständig mit regenerativer Energie → nicht nur der Baustoff ist nachhaltig, sondern auch die Herstellung
Beton:
- Einsatz von Carbonbeton wird untersucht (z. B. bei Treppen) → deutlich weniger Beton für identische Tragfähigkeit nötig → trägt zur Nachhaltigkeit bei
Außenwandverkleidung:
- Soweit möglich mit natürlichen Baustoffen → ökologischer Fußabdruck so
gering wie möglich
= Durch Einsatz natürlicher und nachwachsender Baustoffe ist dem Prinzip Cradle to Cradle genüge geleistet.
Energie: KfW 40, PV, Wärmepumpen, Smarthome
Vom energetischen Standpunkt wird klimafreundliches Wohnen im KfW 40 Standard umgesetzt.
Wärmegewinnung:
- Wärmepumpen (Luft/Wasser, wenn möglich Erdwärme)
Stromproduktion:
- Dachflächen: Bis auf Gemeinschaftsterrassen und Kinderspielplätze mit PV ausgestattet
- Teile der Fassade: PV-Elemente
- Balkongeländer: PV-Elemente
Stromnutzung:
- Betrieb der Wärmepumpen
- Aufladen von E-Autos und E-Bikes
- Akkus der Autos als Zwischenspeicher
Smarthome:
- Bewohner können jederzeit Energieverbrauch überprüfen
- Waschmaschinen etc. dann betreiben, wenn am meisten Solarstrom anliegt bzw. dieser am günstigsten ist
= Vor Ort produzierter Strom wird direkt verbraucht, so wenig wie möglich von außen dazugekauft → geringe Nebenkosten für Bewohner.
Vermeidung von Energie: Große Fensterflächen, Loggien, Höhenstaffelung
Alle Wohnungsgrundrisse werden nach dem Prinzip der Vermeidung von Energie optimiert:
- Große Fensterflächen: Verbrauch von elektrischer Energie um bis zu 20 % gesenkt
- Loggien: Wärmepuffer (Sommer: Kühlung, Winter: Speicherung)
- Gestaltung und Anordnung der Gebäude, Höhenstaffelung: Nicht nur städtebauliche Figur, sondern auch
gewählt, damit für möglichst alle Wohnungen optimale Ausnutzung der Sonnenenergie möglich ist → Energiekosten entstehen erst gar nicht
Im Winter: Tiefer stehende Sonne kann weit in Wohnungen eindringen → Heizenergie gespart
Im Sommer: Loggia verhindert Eindringen von Energie Regenwasser: Retentionsdächer Sämtliche Dächer werden intensiv begrünt und als Retentionsdächer ausgeführt → Niederschlagswasser verbleibt auf dem Grundstück, sommerliche Überhitzung vermieden.
Fazit: Ganzheitliches Konzept
Design und Anordnung der Baukörper, Wahl der Baumaterialien, Einsatz der Energieträger – alles steht in Verbindung
und dient dazu, ein ganzheitliches Konzept zu generieren:
Nachhaltiger, gesunder Wohnraum zu bezahlbaren Mieten.
Um all diese Punkte umsetzen zu können, bedarf es der gewählten Größe – um Wirtschaftlichkeit zu ermöglichen und neue Wege gehen zu können:
- Modulare Bauweise im mehrgeschossigen Bereich bis zu maximal 10/11 Stockwerken
- Einsatz von Carbonbeton
- Individuelle Fassade trotz Vorfertigung (durch BIM)
= Von Widersprüchen zum Ganzen: Ökologie, Ökonomie, Design.
Bedeutung
Das Projekt zeigt:
- Ganzheitliches Konzept (Design,
- Material, Energie, Wirtschaftlichkeit zusammengedacht)
- Holz-Beton-Hybrid (Materialien gezielt eingesetzt)
- Modulare Bauweise bis 11 Geschosse (vorgefertigte Außenwände mit Verkleidung + Fenster, vorgefertigte Bäder)
- Individuelle Fassade trotz Vorfertigung (durch BIM)
- Cradle to Cradle (natürliche, nachwachsende Baustoffe)
- KfW 40, PV, Wärmepumpen, Smarthome (vor Ort produzierter Strom direkt verbraucht)
- Vermeidung von Energie (große Fensterflächen, Loggien, Höhenstaffelung)
- Carbonbeton (weniger Beton für identische Tragfähigkeit)
- Retentionsdächer (Niederschlagswasser verbleibt auf Grundstück)
= Zeigt, wie nachhaltiger Wohnraum zu bezahlbaren Mieten möglich ist – wenn man ganzheitlich denkt.